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Dies ist ein Archiv, die aktuelle Website ist www.psb24-laufteam.de.

Berichte & Ergebnisse 2014

Ultra oder was?

Beitrag von Ralf Milke.

Niemals je hatte ich in meinem Leben so weit laufen wollen, aber dann liefen die Mauerwegläufer bei ihrer Premiere 2011 an unserer Haustür vorbei. Obwohl ich noch lange keine Trainingsmotivation zurück hatte, war das ein Stich ins Herz.

Dieses Erlebnis war ein starker Teil meines Antriebs, als ich mich mit Regina auf das 100-km-Unternehmen aufmachte. Dann folgte ein Jahr des Lernens aus Misserfolgen, aber aus denen lernt man ja auch am meisten.

Mein lange erklärter Zielwettkampf für 2014 war der Mauerweglauf über 100 Meilen (genauer 162 km). Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter. Die Hitze war vorbei. Einzelne kurze Wolkenbrüche kann man im Lauf eines langen Tages hinnehmen.

Start war am Samstag um 6:00 am Jahnsportplatz. Dieses Jahr ging es im Uhrzeigersinn um das frühere Inselberlin. Die Strecke besticht durch ihre immer wieder wechselnden Untergründe. Auf den ersten 65 km war ich eine Spur zu schnell, aber noch voll im Rahmen. Dann kam ich an der eigenen Haustür vorbei in eine Krisenphase. Vielleicht ja verbunden mit der Erinnerung ans letzte Jahr, als ich hier schlappmachte. Bei der Meierei in Potsdam setzte ich mich zur Trinkpause erstmal hin, genau wie letztes Jahr, und dachte schon ans Schlimmste, aber als ich wieder aufstand und losging hatte ich mit einem mal wieder Kraft in den Beinen. Nur einen Kilometer weiter setzte wie auf Knopfdruck ein heftiger Sturzregen ein. Alle Läufer in Sicht packten hastig ihren Regenschutz aus, aber so was hatte ich gar nicht dabei. Meine Bekleidung war Peter Spahns Costa-Calma-T-Shirt. Wieder ein kurzer Moment der Verunsicherung, war ich viel zu naiv in diesen Lauf gegangen? Aber dann merkte ich, dass der laue Regen sich gar nicht unangenehm anfühlte und schon kam wieder die Sonne hervor.

Beim Mauerweglauf wird man wunderbar versorgt aus Verpflegungsständen, die sehr liebevoll betreut werden. "Eine Mischung aus Familiarität und Professionalität", wie der Initiator, Mitveranstalter und Mitläufer Alex v. Uleniecki es bei der Siegerehrung ausdrückte, einen anderen Teilnehmer zitierend. Und exakt so ist es.

Ich gestaltete meinen gesamten Lauf als einen ganz langen persönlichen Staffellauf von Posten zu Posten. Immer wieder dachte ich, so kann es doch nicht weitergehen, und immer ging es doch wieder so weiter. Es war ein ständiges in mich Hineinhören, 100 Jahre Lauf-ABC, und mich nicht klagen hören wollen.

Man glaubt nicht, wie unsagbar häßlich der Mauerweg auf dem Weg zurück in die Stadt ist, nachts zwischen 2 und 3. Kanalartige Rumpelwege, als ob die Mauer immer noch da wäre. Als mir dann aber klar war, eine Stunde vor Jahnstadion, dass nichts mehr schiefgehen würde, und dass ich den längsten Lauf meines Lebens besser absolvieren würde als ich es mir verdient hatte, gingen die Füße sogar wieder wie auf den ersten Kilometern. Am Schluss gab es 350 m auf der Bahn und die Schritte wurden immer länger.

21:27 macht mich glücklich, ist verglichen mit der Elite Mittelmaß, ist verglichen mit dem Mittelmaß eine tolle Zeit. Verglichen mit meinen Trainingsumfängen, die sich eher bei den Empfehlungen für Marathoneinsteiger bewegen, ist dieses Ergebnis eine Provokation. Ich habe sehr viele langjährige, fast lebenslängliche Erfahrungen genutzt, um nach 162 km ohne ausreichendes Training noch locker zu laufen. Damit ist mein Projekt "Ultra ja - aber ohne Training" an sein natürliches Ende gelangt.

Ab jetzt muss ich wieder Trainieren. Erstens für die 800-m-Hallenmeisterschaften der M50, zweitens für den Baltic Run an die Ostsee, zu dem ich angemeldet bin...

Ich danke ganz besonders allen, die extra für mich an die Strecke gekommen sind, Alexander und Fréderic mit Familie, Carsten und Torsten mit Fahrrad, und Gabi mit Begeisterung.

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